Bereits seit Ende vergangenen Jahres zeichnet sich die nun sich ausdehnende  Wirtschaftsflaute ab: Experten waren seither der Meinung, dass Unternehmen zunehmend Kooperationen und Zusammenschlüsse eingehen müssen, um die Krise zu überstehen – die Telekommunikationsbranche sei davon nicht ausgeschlossen.„Die scharfe Rezession wird eine Katalysatorfunktion für die notwendige Marktkonsolidierung und Strukturanpassung der Telekommunikationsindustrie übernehmen“, sagt Telekommunikationsexperte Roman Friedrich von Booz & Company. „Am Ende der Rezession wird die Telekommunikationsindustrie sich komplett verändert haben“, so Friedrich. Die starken und finanziell solide aufgestellten Anbieter könnten somit – nicht zuletzt durch Akquisitionen – Marktanteile in einem weitgehend gesättigten Markt hinzugewinnen.

Zwar erwiesen sich die Mobilfunk- und Festnetzanbieter als vergleichsweise krisenresistent, so die Experten. Angesichts des immer schärferen Preiswettbewerbs und weiter sinkender Umsätze müssten die Unternehmen ihre Kosten aber in den Griff bekommen, um in neue Mobilfunk- und Festnetztechnologien wie den UMTS-Nachfolger LTE oder Glasfaser zu investieren. Im Mobilfunk und Festnetzgeschäft rechnen die Experten in Deutschland mit Umsatzrückgängen von durchschnittlich 1,1 Prozent bis 2012.

Trotz eines steigenden Volumens werden die Umsätze für klassische Sprach- und Datendienste von 44,3 Milliarden Euro in 2008 auf 42,4 Milliarden Euro in 2012 sinken. Den Unternehmen bleibe daher nichts anderes übrig als an der Kostenschraube zu drehen, argumentieren die Experten. Sie erwarten, dass eine Mobilfunk-Gesprächsminute 2012 nur noch etwas über 9 Cent kosten wird. Aktuell liege der Preis bei 13 Cent. Auch bei der mobilen Datenübertragung rechnen sie mit einem Preisverfall von 30 Prozent beim gleichzeitigen Anstieg des Volumens.

Nur durch Zusammenschlüsse und Kooperationen ließen sich für die Netzbetreiber noch weitere Skaleneffekte erzielen, so das Argument von Friedrich. Probleme wegen der Finanzkrise sieht er nicht: Die großen Telekommunikationsunternehmen seien angesichts stabiler Cashflows unabhängiger von den Finanzmärkten. Auf dem Breitbandmarkt würden vor allem kleine Anbieter und Unternehmen ohne eigene Infrastruktur zu Übernahmekandidaten.

Dazu gehörten auch die Kabelnetzbetreiber – die zum Teil strategisch orientierten Finanzinvestoren gehören. „Wir werden noch in diesem Jahr Übernahmen sehen“, ist sich Friedrich sicher. Im vergangenen Jahr war die Konsolidierung unter den DSL-Anbietern weitgehend ins Stocken geraden. Nur der Düsseldorfer Telekomkonzern Versatel hatte zwei kleinere Kabelnetzbetreiber übernommen. Die freenet AG blieb allerdings bislang auf ihrer zum Verkauf stehenden DSL-Sparte sitzen.

Außerdem könnten neue Modelle für den Netzbetrieb helfen, die Kosten zu senken, meint Friedrich. Dabei sei durchaus vorstellbar, dass zum Beispiel Mobilfunkanbieter an Netzbetreiber andere Unternehmen abgegeben. Nicht zuletzt müssten die Weg brechenden Umsätze durch neue Dienste wie Musik-Downloads oder Navigations- Angebote ausgeglichen werden. „Diese können aber nur als Portfolio, also in Summe, helfen, die Umsätze auszugleichen“, sagt Friedrich. Neue Geschäftsmodelle mit internetbasierten Zusatzdiensten seien unausweichlich. Den klassischen Telekommunikationsanbieter würde es als solchen nicht mehr geben.

th