23 Okt
Die Strategie von Freenet zum schleppenden Verkauf des DSL-Geschäftes bleibt weiterhin unklar. Es würden Gespräche laufen, aber die stünden noch lange nicht vor ihrem Abschluss, sagte die Nachrichtenagentur Reuters. Internen Kreisen zufolge steht das zum Verkauf stehende DSL-Geschäft aufgrund des starken Preiskampfes in der Branche unter Druck. Zudem sei das Marktumfeld wegen der weltweiten Finanzkrise für einen Verkauf derzeit ungünstig, hieß es aus dem Unternehmen selbst. Eine Freenet-Sprecherin bestätigte allerdings, dass der Verkaufsprozess in vollem Gang sei. Freenet-Chef Eckhard Spoerr habe das Thema noch für dieses Jahr auf der Agenda.
Freenet sucht nun schon seit längerem einen Käufer für die DSL-Sparte, um die milliardenteure Übernahme von debitel zu finanzieren. Knackpunkt in den Verhandlungen ist offenbar vor allem der Preis. Branchenkreisen zufolge wollte Freenet mit seiner etwa eine Million DSL-Kunden anfangs einen Preis von 600 bis 700 Euro pro Kunde verlangen. Das gilt jedoch derzeit als kaum durchsetzbar. „300 Millionen für das DSL-Geschäft sind im aktuellen Marktumfeld realistisch“, schätzt derweil der WestLB-Analyst Stefan Borscheid. Freenet sei jedoch bereits von den ursprünglichen Vorstellungen abgerückt.
Der DSL-Markt ist hart umkämpft. Das Akquirieren von Kunden kostet viel Geld, weshalb sich ein Zukauf rentieren kann. Zugleich sind aber wegen des Preiswettbewerbs die monatlichen Erlöse pro Kunde stark gesunken, was sich auch in den Preisvorstellungen möglicher Käufer niederschlägt. Grundsätzliches Interesse am DSL-Geschäft von Freenet hatten unter anderem Versatel und Vodafone bekundet. Telefonica hatte angekündigt, ein Angebot zu prüfen. Auch United Internet hat ein Auge auf Freenet geworfen. Firmenchef Ralph Dommermuth habe zugleich gesagt, sollte die Telecom-Italia-Tochter Hansenet zum Verkauf stehen, würde man sich das auch ansehen. Hansenet sei wegen der größeren Kundenbasis interessanter als das DSL-Geschäft von Freenet.
Wie sich Freenet nach dem DSL-Verkauf künftig aufstellen will, ist ebenfalls weiterhin unklar. Angeblich will sich das Unternehmen auf die Billigmarken-Strategie von Freenet konzentrieren. Die debitel-Arbeitnehmer befürchten harte Einschnitte. Freenet hat eingeräumt, dass sich ein „gemeinsames Integrationsteam” über Standortfragen und mögliche Entlassungen Gedanken macht. Wann Entscheidungen fallen, stehe aber noch nicht fest. Es wird spekuliert, dass Freenet die debitel-Standorte in Stuttgart und von Talkline in Elmshorn bei Hamburg schließen möchte.
Indes ist zumindest eine andere Machtfrage geklärt: Nach dem Weggang von debitel-Chef Oliver Steil ist der Weg frei für Eckhard Spoerr zur Position des Vorstandsvorsitzenden von Freenet. Damit hat Spoerr freie Hand für die von ihm favorisierte Ausrichtung betreffend der Zukunft des Unternehmens.
Spoerr hatte mit dem früheren debitel-Eigner Permira vereinbart, dass Steil in den Vorstand aufrücken und Vizechef werden sollte. In den vergangenen Wochen war allerdings ein Streit über die Machtfülle des Managers entbrannt. Nachdem keine Einigung erzielt werden konnte, trat der frühere McKinsey-Partner Steil Mitte Oktober von seinem Posten zurück.
Spoerr soll nun Freenet auf Wachstumskurs bringen und damit dem gebeutelten Aktienkurs auf die Beine helfen. Vordringlichste Aufgabe ist nun der Verkauf der DSL-Sparte, der bis Anfang November unter Dach und Fach gebracht werden solle. Mit dem Verkauf steht Freenet vor einer Neuausrichtung auf das Mobilfunkgeschäft, das mit dem debitel-Kauf gestärkt wurde. Als künftigen Wachstumstreiber sieht Spoerr laut früheren Angaben das mobile Internet.
Ein dringendes Thema sei auch die Integration der Stuttgarter debitel, für die es bislang keine konkrete Planung gibt. Die Investoren, allen voran Permira sowie die Konkurrenten United Internet und Drillisch, würden nun genau hinschauen, wie Spoerr das Geschäft in den Griff bekomme. Die drei Parteien kontrollieren zusammen mehr als 50 Prozent von Freenet, sind aber nicht im Aufsichtsrat vertreten.
Steil ist nicht der erste Manager, der gegen Spoerr den Kürzeren zieht. Vor der Fusion von freenet.de und mobilcom zur neuen Freenet AG hatte sich der Schwabe unerwartet gegen Thorsten Grenz durchgesetzt. Von 1999 bis zur Fusion mit mobilcom im März 2007 war Spoerr bereits Chef der alten freenet.de.
th| Interaktiv: |
|---|
| Beitrag drucken |
| DSLtester-Forum |
| Speedtest |
Meinung oder Bewertung schreiben