30 Sep
In der anstehenden Konsolidierung des deutschen DSL-Marktes will sich Telecom Italia nicht von ihrer Tochter Hansenet (Alice) trennen. Laut Handelsblatt sagte Carlos Lambarri, er sei nicht in Deutschland, um das Unternehmen zu verkaufen. „Unsere Priorität ist das organische Wachstum. Deswegen bin ich hier“, sagte der seit Mai neue Chef des Hamburger Unternehmens. Damit setzte er aufkommenden Spekulationen über einen geplanten Verkauf ein Ende.
In den vergangenen Wochen kursierten immer wieder Gerüchte, dass die italienische Mutter in der Krise stecke und damit das Geld aus einem Verkauf gut gebrauchen könne, um vorhandene Schulden zu tilgen. Aber auch die Konzernzentrale stellt sich hinter Hansenet. Man wolle in Deutschland bleiben, heißt es in Mailand. Der mögliche Bieterkreis hatte sich indes jedoch stark eingeschränkt. Neben Vodafone galt Telefonica als Interessent. Hinzu kommt, dass derzeit der Verkauf des DSL-Geschäfts von Freenet läuft. In Kreisen von Telecom Italia hatte es geheißen, dass auch eine Verschmelzung mit einem kleineren Konkurrenten dankbar wäre.
Franco Bernabe, Chef der Telecom Italia, hatte zu Anfang des Jahres die Marschroute vorgegeben, die schwachen Umsätze auf dem Heimatmarkt durch das Auslandsgeschäft auszugleichen. Brasilien und Deutschland sind die beiden Zugpferde im Ausland. In Deutschland platziert sich Hansenet mit 2,4 Mill. Kunden und aktuell 13 Prozent Marktanteil auf Rang Vier der größten DSL-Anbieter. Die meisten Kunden sitzen in Hamburg – dort ist das inzwischen bundesweit tätige Unternehmen aus einem Stadtnetzbetreiber entstanden. Lambarri hält eine Konsolidierung des deutschen DSL-Marktes für unausweichlich. „In Deutschland ist kein Platz für die derzeit sieben Anbieter – höchstens für drei oder vier“, sagte er dem Handelsblatt. Wahrscheinlich würden die ersten Deals schon in den kommenden Monaten über die Bühne gehen. Lambarri selbst will wachsen und die Nummer Zwei hinter der Deutschen Telekom werden. Dabei schließt er nicht aus, dafür selbst auf Einkaufstour zu gehen.
Beim Konsolidierungsprozess in Deutschland scheint Telecom Italia mitmischen zu wollen. Das Unternehmen liebäugelt offenbar mit einem Schulterschluss mit dem Düsseldorfer Anbieter Versatel, hieß es im Handesblatt. Entsprechende Gerüchte stärken diese These. Strategisch würden beide Unternehmen gut zusammenpassen. In der Branche ist die Rede von einer Fusion. Man werde sehen, ob und wann sich da etwas Konkretes ergebe, hatte Bernabe Anfang des Monats geäußert. Analysten werden jedoch ungeduldig. Frank Rothauge von Sal. Oppenheim hält zwar einen Zusammenschluss für „sehr sinnvoll für beide Seiten“. Er hat aber Versatel am Freitag zurückgestuft, weil man so lange nichts mehr von den italienischen Plänen gehört habe.
Versatel wollte sich zum Stand der Dinge nicht äußern. In Unternehmenskreisen heißt, die Pläne lägen tatsächlich auf Eis, weil die Italiener zu sehr mit sich selbst beschäftigt seien. In der Zwischenzeit intensiviert Lambarri das Geschäft mit einem anderen Partner – Telefónica. Die Spanier sind mit zehn Prozent an Telecom Italia beteiligt und besitzen hierzulande den Mobilfunk- und Festnetzanbieter O2. Beide Unternehmen wollen ihre Partnerschaft in Deutschland ausbauen. Denkbar sei etwa ein reines Mobilfunkangebot von Alice auf dem O2-Netz, erklärt Lambarri. Bisher hat Alice Handykarten nur in Verbindung mit einem eigenen DSL-Anschluss verkauft.
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