27 Mrz
Aufgrund der enormen Abschreibungen in 2008 und der dadurch erzielten negativen Bilanzen hat United Internet ebenso wie auch Freenet keine Eile mehr mit Akquisitionen und Verkäufen.Ralph Dommermuth, Chef von United Internet, kann mit 2008 nicht zufrieden sein. Die lange erwartete Konsolidierung des deutschen DSL-Marktes könnte sich weiter verzögern. Diesen Schluss legen Bemerkungen der zwei Übernahmekandidaten United Internet (UI) und Freenet nahe. „Wir gieren nicht nach Marktanteilen. Wir schauen auf die Profitabilität“, so Dommermuth. Zugleich dementierte er Gerüchte, die spanische Telefónica arbeite an einer Übernahme von United Internet. „Es gibt keine Gespräche über eine Übernahme, wir stehen auch nicht zum Verkauf.“
Auch Joachim Preisig, Chef des Telekomdienstleisters Freenet, bekräftigte, es gebe andere Optionen zu einem Verkauf: „Wenn der Preis nicht stimmen sollte, haben wir Alternativen, weil sich das DSL-Geschäft nach der Restrukturierung stabilisiert hat.“ Grundsätzlich halte er aber an dem geplanten Verkauf des DSL-Geschäftes fest.
Die Äußerungen markieren einen Wendepunkt im bundesdeutschen DSL-Markt. Bislang hatte United Internet als einer der aussichtsreichsten Interessenten für die DSL-Sparte von Freenet gegolten. „Wir schauen uns weiterhin alles an“, sagte Dommermuth. Doch zugleich machte der Chef des drittgrößten DSL-Anbieters klar, dass man sich weitaus weniger zu Übernahmen gedrängt sieht als vor einigen Monaten.
Die neue Zurückhaltung – United Internet galt über Monate als Treiber einer DSL- Konsolidierung – ist nicht verwunderlich. Die Internet-Gruppe, die 25 Prozent an Versatel sowie über die mit Drillisch gegründete MSP 25,9 Prozent an Freenet hält, hat sich mit diesen Engagements mächtig die Finger verbrannt. Da die Kurse in den vergangenen Monaten in den Keller gerauscht sind, waren 2008 Abschreibungen in Höhe von 275 Mio. Euro fällig. Dadurch ist UI erstmals seit Jahren mit einem Nettoverlust von 121,5 Mio. Euro in die roten Zahlen gerutscht.
Das Debakel hat den Übernahmehunger von Dommermuth offensichtlich vorerst gebremst. „Im Nachhinein muss man sagen, wir hätten uns das eine oder andere besser verkniffen“, räumte er freimütig ein und ergänzte: „Ich kann nicht sagen, dass das wertschöpfend war.“ Allerdings, das betonte Finanzchef Norbert Lang, sei die Bilanz jetzt blitzsauber. „Selbst wenn es noch weiteren Wertberichtigungbedarf geben sollte, na und? Das halte ich locker aus“, sagte Dommermuth.
Auch Arno Wilfert, Telekommunikationsexperte vom Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers rechnet so bald nicht mit einer Marktbereinigung. „Die Preiserwartungen von Käufern und Verkäufern liegen häufig noch zu weit auseinander“, sagt er. „Noch ist kein Handlungsdruck da, weil Spieler sich beispielsweise refinanzieren müssten oder ihre operativen Ergebnisse einbrechen. Und solange das nicht gegeben ist, warten alle noch eine Weile ab.“
Selbst Freenet ist offenbar bereit, die Käufersuche sogar ganz abzublasen. Die Hamburger haben ihr DSL-Geschäft 2008 stabilisiert. Grund dafür waren vor allem Aufräumarbeiten im eigenen Vertrieb. Um den im vergangenen Juni gestarteten Verkaufsprozess voranzutreiben, hat das Unternehmen die eigene Kundenzählung umgestellt – mit gravierenden Folgen: Durch strengere Kriterien bei der Kundenakquise sank die Zahl der DSL-Nutzer 2008 gegenüber dem Vorjahr zwar um 340 000, gleichzeitig war aber der Rohertrag nach zwei Verlustjahren mit 64,1 Mio. Euro erstmals positiv.
Potenzielle Käufer hatten in den vergangenen Monaten stets moniert, dass die Kundenbasis von Freenet nicht werthaltig sei. Jetzt zeigt sich, dass sie Recht hatten. „Da waren schon einige Dinge zu bereinigen“, räumte Preisig ein. So habe Freenet Verträge mit Kunden abgeschlossen, ohne dass geprüft worden wäre, ob in deren Wohngebieten überhaupt ein DSL-Anschluss verfügbar sei. Die Folge waren Stornierungen von Aufträgen – als Neukundengeschäft wurden diese Verträge aber trotzdem gezählt. Darüber hinaus prüft Freenet nun die Bonität seiner Kunden strenger. „Das führt zu weniger Nicht-Zahlern“, sagte Preisig.
United Internet und Freenet sind nicht die einzigen Übernahmekandidaten. Heißer Favorit für den ersten Deal im Markbereinigungsreigen ist die Telecom-Italia-Tochter Hansenet, die seit Dezember angeboten wird. Als Interessenten gelten Vodafone und Telefónica. Vodafone würde sich mit einer Übernahme langfristig Platz zwei auf dem deutschen DSL-Markt sichern. Da Skaleneffekte in der Branche entscheidend sind, hätte dieser Schritt eine bestechende Logik. In der Branche heißt es jedoch, die britische Mutter würde kein Geld zur Verfügung stellen und stattdessen lieber in Schwellenländern investieren. Ein Sprecher von Vodafone Deutschland sagte, man sich schaue Hansenet an, wachse aber auch organisch gut.
Nach Informationen aus dem Umfeld von Telefónica sind sich die Spanier mit den Italienern schon nahezu handelseinig. Der Kaufpreis für Hansenet liege bei rund einer Mrd. Euro. Die Italiener dagegen verweisen darauf, dass sich der Verkaufsprozess erst in der ersten Phase befindet. In Madrid hieß es: „Wir schauen uns alles an, was auf dem Markt ist.“ Die deutsche Telefónica-Tochter O2 hat Verstärkung dringend nötig: Sie besitzt hier zu Lande zwar ein gut ausgebautes Festnetz, findet dafür bislang aber kaum eigene Kunden.
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